Feste und Bräuche im Friaul

Winterbräuche

Der "Krampus" im Valcanale

Beim Einbruch der Dunkelheit am Abend des Nikolaustages (6. Dezember) treffen sich auf den Straßen der Ortschaften des Valcanale (im Norden Friauls, von Pontebba bis Coccau und Fusine) Gruppen mit Teufelsmasken, die gesträubte Haare, eine lange rote Zunge und ein Paar großer Hörner auf dem Kopf tragen. Diese Masken werden "Krampus" genannt. Sie tragen Peitschen und Fackeln, fangen an, Lärm zu machen, erschrecken und verprügeln jeden, der ihnen in die Hände fällt. Oft kommt es zu einem richtigen Kampf zwischen dem "Krampus" und den Kindern des Ortes, die herausfinden wollen, wer sich hinter der Maske verbirgt.  Die Aufgabe des "Krampus" ist es, Kinder und Jugendliche zu erschrecken; die dürfen sich dann nur wieder auf Knien entfernen, und müssen dabei beten und ihre Untaten bereuen. Dann erscheint der Heilige Nikolaus, der Geschenke an alle die verteilt, die versprechen, sich in Zukunft zu bessern.

Es handelt sich bei diesem Ritual um eine christliche Umformung eines alten, vorchristlichen Rituals, das ursprünglich vor allem in Nord- und Mitteleuropa verbreitet war. (Auch in Bayern und Österreich gibt es den "Krampus" als Begleiter des Hl. Nikolaus; der nördliche Teil des Valcanale gehörte bis 1918 zu Österreich).

Die Winterfeuer

Die Tradition der Winterfeuer ist im Friaul sehr verwurzelt. Von Weihnachten bis zum 6. Januar (Epiphanias) schleudert man in manchen Ortschaften der karnischen Region Feuerräder (angezündete hölzerne Räder) in die Luft; diese werden "cidulis" genannt. Junge, unverheiratete Männer, die den Wehrdienst abgeleistet haben, üben diesen Brauch aus. Am Vorabend des 6. Januar gibt es in Comeglians nach dem Schleudern der Feuerräder noch den "Ball der Cidulis", zu dem man neue Kleider anzieht, und wo Verlöbnisse und Heiraten bekanntgegeben werden. In Karnien gibt es noch eine andere Art von Freudenfeuern: die "femenate" in der Gegend von Paularo, wo man eine Art Kreuz mit trockenen Gräsern umwickelt und anzündet, und die "pignarul", eine Art "Weissagungsfeuer", aus denen man Vorhersagen für das kommende Jahr ableitet.

Ein Brauch zum Fest der Hl. Drei Könige (6. Januar)

Diesen Brauch gibt es am 6. Januar an verschiedenen Orten: Arta, Raveo, Enemonzo, Sauris. Gewöhnlich sind es Kinder, die durch die Straßen der Ortschaften den Weg der Hl. Drei Könige nachvollziehen. Sie tragen einen bunten, sechseckigen Stern, der sehr kunstvoll gemacht ist und häufig in der Mitte noch eine brennende Kerze hat. Wenn sie ihre Strophe gesungen haben, bekommen sie meist ein wenig Geld geschenkt, das dann für wohltätige Zwecke verwendet wird.

Die Weihnachtskrippe (presepe)

In ganz Friaul verbreitet gibt es um die Weihnachtszeit die Gewohnheit, eine Krippe aufzubauen, die die Szene der Geburt von Jesus Christus nachstellt. Einige dieser Krippen sind mit mechanisch bewegten Figuren, wie die von Perteole, oder die "lebende Krippe" von Cormons, wo 70 Figuren, gekleidet in jüdische und römische Gewänder ihre verschiedenen Rollen darstellend, sich nach einem technisch programmierten Ablauf bewegen.

Die Talermesse in Gemona (Messa del Tallero)

Im Dom von Gemona, vom Erdbeben von 1976 beschädigt und wiederhergestellt, findet jedes Jahr am 6. Januar die traditionelle Talermesse statt, die ihren Ursprung im Mittelalter hat. In Anspielung auf die Geschenke, die die Hl. Drei Könige dem Jesuskind gegeben haben, überreicht die Gemeinde, vertreten durch den Bürgermeister, einen Silbertaler an den Stadtpfarrer. Der Taler wird auf einem Kissen präsentiert, getragen von einem Pagen in der Tracht des 14. Jhts. ; er geht einem historischen Zug voraus, der an die Stadt Gemona in der Zeit des Mittelalters erinnert.

Die Schwertmesse in Cividale (Messe dello Spadone)

Die Epiphaniasfeier des 6. Januar findet in Cividale del Friuli ihren besonderen Ausdruck in der sog. Schwertmesse im Dom St. Mariae Himmelfahrt (S. Maria Assunta). Während des feierlichen Hochamtes erteilt der Diakon an die Gläubigen den Segen mehrere Male, indem er in der Luft jeweils dreimal ein Schwert schwingt, das dem Patriarchen von Aquileia Markwart von Randeck gehört hat. Der Text der zugehörigen Lesung wird in einer alten und sehr anrührenden Melodie aus Aquileia gesungen.
Der Ursprung der Zeremonie ist nicht eindeutig nachgewiesen. Sie geht zurück auf das 14. Jht.

Die bäuerlichen Feste

Verbreitet in Friaul sind die Volksfeste, häufig am Tage des Stadt- oder Dorfheiligen veranstaltet, zumeist im Sommer. Diese Feste finden im Freien statt, in unmittelbarer Nähe des Ortszentrums, und dauern normalerweise mehrere Tage. Rund um einen geräumigen Platz werden Buden aufgestellt, in denen man zu essen und zu trinken bekommen kann. Dies wird im Stehen verzehrt oder an Holztischen, die nur zu dieser Gelegenheit aufgestellt werden. Auch eine Bühne wird aufgebaut, wo eine Band oder Kapelle aus der Gegend Platz nimmt, populäre Tanzstücke spielt, und eine Tanzfläche, wo junge und weniger junge Paare sich im klassischen oder traditionellen Tanz ergehen.

Autoren: Schülerinnen und Schüler des Istituto Marchetti in Gemona

Übersetzung: Hans Hinterkeuser 1996

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