Im Haus

Die Wikinger waren nicht nur tapfere Krieger, kundige Seeleute und tüchtige Händler. Sie waren auch fleißige Bauern, die im Kreis der Familie zusammenlebten. Andere waren Handwerker. Was sie zum täglichen Leben brauchten, das bauten sie an und stellten sie her. Die Kinder halfen bei der Arbeit, auch die kleinsten, und wenn sie nur Tieren das Futter gaben oder Brennholz sammelten.

Die Häuser der Wikinger bestanden aus Holzwänden – manchmal auch aus geflochtenen Zweigen –, die Dächer waren gedeckt mit Gras oder Stroh. Steinhäuser baute man vor allem dort, wo es keinen Wald gab, auf den Shetland-Inseln oder auf Island.

Die Wikinger bauten Langhäuser mit einer großen Haupthalle, in der gekocht, gegessen, gespielt und geschlafen wurde. Das offene Feuer in der Mitte spendete Licht und Wärme und diente als Herdstelle; der Rauch zog durch ein Loch im Dach direkt nach oben ab. Manchmal gab es an den Seiten Nebenräume, in denen gekocht und gesponnen wurde. Der Fußboden bestand aus festgestampftem Lehm. An den Seiten der Haupthalle befanden sich breite, podestartig erhöhte, mit Brettern eingefaßte Bänke, auf denen die Familie saß und schlief. Für Bequemlichkeit sorgten Kissen mit Entendaunen- oder Hühnerfederfüllung. Wohlhabende besaßen einige Holzmöbel und eine abschließbare Truhe für kostbare Besitztümer. Die Wände einer Häuptlingshalle konnten mit geschnitzten und bemalten Holztafeln verkleidet sein, wie sie ein Isländer um das Jahr 1000 in dem Gedicht Húsdrápa (Hausgedicht) beschrieb: auf den Tafeln waren Mythen und Sagen dargestellt. Kleine Häuser mit tiefer gelegtem Fußboden und ohne Seitenwände (Grubenhäuser) dienten als Hühnerstall oder als Webwerkstatt.

Das Wikingerhaus hatte einen einzigen Raum zu ebener Erde. Wenn man einen Teil abtrennen wollte, wurden Kleider oder Felle zwischen den Balken aufgehängt, die das Dach trugen.

Das Bauernhaus hatte Platz für eine Familie, die Eltern und ihre Kinder und wer sonst dazugehörte. Wenn der Platz nicht ausreichte, baute man ein weiteres Haus daneben. Es gab Ställe für die Tiere; Arbeitsräume für die Handwerker wurden getrennt errichtet wie die Werkstatt des Schmieds mit dem Brennofen oder der Esse, wo Metallgeräte aus glühendem Material gehämmert wurden. Abseits wohnten die Sklaven in kleinen Hütten.

Norwegisches Haus

Wikingerhaus

Dies ist das Modell eines Hauses, das 1003 in Trondheim/Norwegen gebaut wurde. Die Wand besteht aus waagerechten Baumstämmen, die an den Ecken so gekerbt (verkämmt) sind, daß sie ineinanderhaken (Blockwände). Auf dem Dach liegt Birkenrinde die das Wasser abhält, die darüber liegenden Grassoden halten die Wärme im Haus und die Kälte draußen. Andere Hauser hatten Wände aus senkrechten Planken wie die dänischen Burgen oder aus Lehmflechtwerk in einem Holzrahmen: man bog Ruten um senkrechte Pfähle und verschmierte sie mit Lehm oder Mist. Als Dacheindeckung nahm man außer Grassoden auch Holzschindeln, Schilf oder Stroh.

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