Haithabu - Handelsplatz der Wikinger

Die Wikinger waren nicht nur hervorragende Seefahrer, sondern auch ausgezeichnete Kaufleute. Wie schon berichtet, kamen sie bis nach Persien und China, um einheimische Erzeugnisse gegen exotische Produkte einzutauschen.

Dabei überzogen sie die Welt mit einem Netz von Handelswegen, an deren Kreuzungspunkten oder an anderen wichtigen Stellen richteten sie Stützpunkte ein.

Einer der größten Handelsstützpunkte war der Ort Haithabu an der Schlei, dem heutigen Schleswig gegenüber. Der Name Haithabu kommt aus dem Wikingischen und bedeutet "Siedlung auf der Heide". Der Ort wurde 804 zum erstenmal urkundlich erwähnt; damals hieß er allerdings noch Slisthorp, 850 wird er als Sliaswich erwähnt.

Haithabu wurde wahrscheinlich Mitte des 8. Jahrhunderts von den Dänen als offene kleine Siedlung gegründet. Um 800 wurde es aufgegeben und etwas südlich als planmäßige Siedlung mit Wegen, einem Flüßchen, mehreren Brücken, umzäunten Höfen und Häusern neu angelegt.

Warum baute König Göttrik das Danewerk?

Da sich in Schleswig-Holstein damals drei Völker - Dänen, Deutsche und Slawen - gegenüberstanden, begann König Göttrik von Dänemark mit dem Bau des Danewerks, einer 17 km langen Verteidigungsanlage, von der heute nur die grasbedeckten, bis zu fünf Meter hohen Festungswälle erhalten sind. Mit diesem Danewerk wollte Göttrik zeigen, daß er Haithabu fortan als dänisch betrachtete und sich die Einnahmen aus der blühenden Siedlung von niemandem streitig machen lassen wollte.

Im Jahre 849 erlaubte Göttriks Nachfolger Horich dem Missionar Ansgar, der später Erzbischof von Hamburg-Bremen wurde, in Haithabu eine Kirche zu bauen, und stellte seinen Untertanen frei, Christen zu werden. Darauf kamen, einer alten Chronik zufolge, "die Kaufleute ohne Furcht nach Haithabu, was sie bisher nicht gewagt hatten. Und das war wiederum der Anlaß, daß sich dort Güter und Vorräte aller Art häuften".

Handel und Verkehr wuchsen. In Haithabu trafen sich norwegische, schwedische und dänische Händler, die mit ihren Waren nach Süden wollten; es wurde aber auch oft von friesischen und fränkischen Kaufleuten besucht, die vom Niederrhein kamen und über die Nordsee in die Ostsee wollten, um mit Ostskandinavien und Rußland Handel zu treiben.

Warum kamen friesische Kaufleute nach Haithabu?

Für diese Kaufleute lag Haithabu ideal, nämlich an der schmalsten Stelle der "kimbrischen Halbinsel" (Jütland), genau dort, wo die Schlei tief in das Festland einschneidet. Die Händler brauchten nicht mehr um Jütland herumzusegeln, sondern segelten Eider und Treene hinauf bis nach Hollingstedt. Dort überquerten sie den 20 km breiten Land rücken nach Haithabu, wo sie schleiabwärts den Seeweg nach Osten fortsetzten. Ob sie ihre Waren in Hollingstedt auf Karren luden oder ihre Schiffe über Land schleppten, ist nicht bekannt.

So wurde Haithabu binnen kurzem der größte Warenumschlagplatz des Nordens. Zu den Kaufleuten gesellten sich Handwerker, wie zum Beispiel Schiffbauer, Zimmerleute, Drechsler, Böttcher, Töpfer und Metallarbeiter, die für den örtlichen Bedarf und für den Export arbeiteten.

Haithabu war der größte Sklavenmarkt im gesamten Nordsee- und Ostseeraum. Schließlich bekam der Ort sogar eine eigene Münzstätte. Während seiner Blütezeit im 10. Jahrhundert lebten etwa 800 bis 1000 Menschen ständig in Haithabu.

Wann kam das Ende von Haithabu?

Um 900 setzten sich schwedische Wikinger in Haithabu fest. 934 wurde es von dem deutschen König Heinrich I. erobert, 983 eroberte König Sven Gabelbart den Ort für Dänemark zurück. Etwa um die Jahrtausendwende begann es, wirtschaftlich zu veröden.

Ein halbes Jahrhundert später kam das Ende. Der Norwegerkönig Harald der Harte überfiel 1050 den Handelsplatz an der Schlei und äscherte ihn ein. 1066 wurde der Ort von den Slawen endgültig zerstört.

Im Jahre 1900 wurde mit ersten kleinen Ausgrabungen begonnen. In den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch größere Flächengrabungen Teile des Stadtkerns freigelegt. Viele Funde sind jetzt im Schloß Gottorp in Schleswig, etwa 2000 m vom alten Haithabu entfernt, zu besichtigen. Dort befinden sich auch mehrere Runensteine, die ursprünglich bei Haithabu gestanden haben, darunter der berühmte Erikstein (siehe Seite 46). Ein Wikingerschiff, das Unterwasserarchäologen 1953 im Hafenbecken des ehemaligen Handelsplatzes fanden, wurde aus Geldgründen noch nicht gehoben.

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