Artegna liegt auf einer Meereshöhe von 210m am Fuße
des Monte Cuarnan, am Rande des Tagliamentotales, das sich hier zum großen Moränenkessel des ehemaligen eiszeitlichen Gletschers weitet. Im Jahre
1077 wurde der Staat der Patriarchen von Aquileiea gegründet; die Herren von Artegna, bis dahin Freie, wurden nun Lehnsleute des Patriarchen. Im Jahre 1190 wird die Diözese von Artegna zum ersten Mal eindeutig
erwähnt, und zwar in einem Dokument, das im Kirchenarchiv von Cividale aufbewahrt wird. 1247 wird Artegna im Verzeichnis der Diözesen Friauls aufgeführt.
1253 tritt Varnerio von Artegna in den Dienst des Herzogs von Kärnten; dieser hatte einigen Feudalbesitz von der Kirche von Aquileia an sich gerissen. 1260 belagert und erobert der Patriarch Gregorio di
Montelongo den Burgberg von Artegna. 1299 erobern dann die Soldaten aus der NachbarstadtGemona die Burg, deren Herren zum Herzog von Gorizia (Görz)
entwichen sind. Es gibt eine heftige Revolte der Bauern gegen die neuen Herren. Die Kirche von San Martino wird 1303 von der Bevölkerung wieder aufgebaut, nachdem sie durch die Adelsherren abgerissen worden war.
Am 25. Januar 1348 erschüttert dann ein schreckliches Erdbeben ganz Friaul. Ein Jahr darauf gewährt der Patriarch Bertrando die Selbstverwaltung für den Ort innerhalb der Gemeinde Gemona; es beginnen damit die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Orten. So ließ 1382 Gemona die Burg von Artegna schleifen, die dann nie mehr ihre alte
Bedeutung zurück gewann. 1390 wird Artegna als politische Gemeinde in einen niederen Rang zurückgestuft. Die Artenesianer verweigern daraufhin dem Patriarchen die Abgabe
der Steuern. 1420 löst Venedig die Herrschaft der Patriarchen ab; die „Serenissima“ bestätigt die Herrschaftsrechte Gemonas über Artegna. Im Jahre 1476 bricht die Pest
über Friaul herein. In Artegna wird die Kirche S. Rocco (St. Rochus) errichtet, die dann später auch mit dem Namen S. Vatentino bezeichnet wird. 1511 zerstört ein weiteres
schweres Erdbeben große Teile Friauls und der karnischen Region. Auch Artegna erleidet große Zerstörungen. 1565 befreit ein Schiedsspruch den Ort weitgehend aus der
Herrschaft Gemonas. 1629 ist das „Jahr der Hungersnot“, das Zehntausende Tote in Friaul zur Folge hat. 1797 erreichen die französischen Revolutionstruppen Artegna und
quartieren eine Kompanie Soldaten in der Kirche S. Martino ein. Zwei Jahre später lösen die Österreicher die Franzosen ab. Diese kehren 1805 wieder und bleiben bis zur
Niederlage Napoleons 1813, wo sie wiederum durch die Österreicher abgelöst werden. Am 21. Juli 1866 wird Artegna Teil des neuen geeinten italienischen Staates. Im 1.
Weltkrieg erleidet der Ort erneut die feindliche Invasion nach dem Durchbruch der Österreicher und Ungarn bei Caporetto (Kobarid, Slowenien) 1917. Die Folge sind Armut
und Hunger, die z. B. im Jahre 1932 1. 060 Einwohner zur Emigration zwingen. Die deutsche Okkupation des Gebietes während des 2. Weltkrieges 1943 führt zur Gründung
von Partisanengruppen; der Kampf mit der deutschen Armee ist verlustreich auch für die Zivilbevölkerung. 1962 stimmt der Gemeinderat dem neuen Autonomiestatut für die
Region Friuli-Venezia-Giulia zu. Die Bevölkerungszahl nimmt wieder zu, neue Häuser werden gebaut, die Schulgebäude modernisiert. Das letzte große Erdbeben in Friaul von
1976 fordert auch in Artegna 39 Tote und löst große Zerstörungen aus. Der Wiederaufbau ist auch heute noch nicht vollständig abgeschlossen; immerhin ist durch den Neubau eines
Konzertsaales ein positives Zeichen für das Wiedererblühen und die Fortentwicklung Artegnas gesetzt.
Quelle: Artegna – Storia, Terremoto, Rinascità; Edizione a cura della Comunità parocchiale di Artegna o. J. (Übersetzung aus dem Italienischen: Hans Hinterkeuser 2000)
